Barcode ist gleich Barcode, oder doch nicht? 🤷‍♂️

Barcodes sind schon lange im Lager nicht mehr weg­zu­denken. Sie tragen maß­geb­lich zur Datenerfassung bei und helfen, Güter, Waren und Sendun­gen optimal zu ver­folgen. Doch Bar­code ist nicht gleich Barcode. Es gibt größere Unterschiede, was deren Eig­nung für verschiedene Einsatzzwecke angeht. Wir erklären, welche das sind.

von Marc Teuber

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So können GĂĽter, Waren und Senden bestmöglich verfolgt werden đź”—︎

Barcodes haben im betrieblichen Alltag die Aufgabe, Daten zuverlässig zu speichern, um ein effektives Tracking zu ermöglichen. Sie werden benötigt, um etwa aktuelle Informationen über Lager- und Warenbestände zu liefern und deren Bewegungen zeitnah zu verfolgen. Das hilft dabei, das Management von Lager- und Logistikprozessen zu zentralisieren und sorgt für eine bessere Übersicht und eine damit einhergehende optimale Steuerung der Prozesse.

Die meisten heute in der Praxis benutzten Barcodes lassen sich in 1D-Barcodes und 2D-Barcodes unterteilen. 1D-Barcodes bestehen aus schwarzen Strichen und weißen Zwischenräumen und können Informationen nur horizontal speichern. 2D-Barcodes können dagegen Daten gleichzeitig horizontal und vertikal speichern. Sie bestehen zumeist aus Punkten oder Rechtecken, die auch Module genannt werden. Vorteile von 2D-Barcodes gegenüber von 1D-Barcodes sind, dass sie über eine viel größere Speicherkapazität verfügen und mit Scan-Geräten aus allen Richtungen gelesen werden können. Weil ihre Einsatzart im betrieblichen Alltag stark variieren kann, werden an Barcodes unterschiedliche Anforderungen gestellt. Diese Anforderungen beinhalten Faktoren wie die Speicherkapazität und Größe oder die Möglichkeit, den Barcode trotz einer Beeinträchtigung fehlerfrei auszulesen. Hier gibt es Unterschiede, die es je nach Verwendungszweck und -bedingungen zu beachten gilt. Die folgenden fünf Barcode-Arten, die heute für das Tracking in der Industrie eine wichtige Rolle spielen, werden im weiteren Verlauf näher betrachtet und ihre Eigenschaften werden verglichen.

Strichcode đź”—︎

Strichcode
Strichcodes sind die klassischen Repräsentanten der 1D-Barcode-Familie. Sie bestehen aus schwarzen Balken und weißen Zwischenräumen. Die Informationen werden horizontal, von links nach rechts, organisiert und ausgelesen. Strichcodes können sowohl mit herkömmlichen Laserscannern als auch mit den moderneren Imagern gelesen werden. Sie sind heute noch stark in der Waren- und Lagerwirtschaft verbreitet. Ihr Nachteil ist jedoch, dass sie relativ wenig Informationen speichern können. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass sie generell einen hohen Kontrast aufweisen müssen, um vom Barcode-Scanner einwandfrei eingelesen zu werden.

Datamatrix-Code đź”—︎

Datamatrix-Code
Der DataMatrix gehört zur Familie der 2D-Codes und verfügt über eine verhältnismäßig hohe Datenspeicherdichte. Sein entscheidender Vorteil liegt jedoch in seiner Kompaktheit. Der Barcode kann auf kleinsten Raum angebracht werden. Es gibt nur wenige 2D-Barcodes – wie z. B. der Dot-Code –, die noch kleiner sind. Dadurch eignet er sich gut für Kleinteile in der Lagerwirtschaft und Logistik. Ein weiterer Vorzug – einer, den er auch mit anderen 2D-Barcodes teilt – ist die verhältnismäßig gute Lesbarkeit bei wenig Kontrast. Die hohe Korrekturfähigkeit bildet einen weiteren Vorteil: Der DataMatrix-Code kann unter Umständen auch dann noch gelesen werden, wenn etwa 30 % der Codefläche beschädigt sind. Verglichen mit dem QR-Barcode benötigt er eine Fläche, die ca. 20 % kleiner ist, um die gleiche Datenmenge zu speichern. Als Nachteil könnte eventuell die überdurchschnittlich hohe Druckqualität gesehen werden, die erforderlich wird, damit er auch in kleineren Ausführungen noch gut lesbar ist.

QR-Code đź”—︎

QR-Code

QR-Codes gehören wohl zu den aus dem Alltag bekanntesten 2D-Barcodes. Sie werden jedoch nicht nur im Marketing und B2C-Geschäft genutzt, sondern sie sind auch in der Logistik sowie Lager- und Warenwirtschaft verbreitet. Zu deren Vorteilen gehört – wie die Abkürzung QR, die für Quick Response steht, besagt – die schnelle Lesbarkeit. Ähnlich wie ein DataMatrix-Barcode besitzt auch ein QR-Barcode eine hohe Fehlertoleranz, die, in Abhängigkeit von der gespeicherten Datenmenge, bis zu 30 % betragen kann. Ein weiterer Vorteil: Seine Speicherkapazität liegt – verglichen mit anderen 2D-Barcodes – mit über 4 000 alphanumerischen Zeichen im oberen Bereich. Darüber hinaus wird der QR-Code wegen seiner Popularität von vielen Scan-Geräten unterstützt und kann von den meisten Smartphones und Tablets problemlos gelesen werden.

Ein Nachteil dieses Codes ist jedoch, dass er nur eine Gestaltung mittels rechteckiger Formen erlaubt. Das schränkt seine Einsatzfreundlichkeit bei Kleinteilen oder Teilen mit komplexen Oberflächen ein. In der Praxis gibt es jedoch Möglichkeiten, QR-Codes mithilfe von Lasertechnik platzsparend in Mini-Formaten in Oberflächen einzugravieren. Neben erhöhten Kosten und mehr Verarbeitungsaufwand setzt das jedoch auch höhere Anforderungen an die Lesegeräte.

Dot-Code đź”—︎

Dot-Code
Der Dot-Code kann vermutlich zu Recht als der kompakteste Code bezeichnet werden, der momentan im Industrieeinsatz eine größere Bekanntheit genießt. Ein auf dem Dot-Code basierender Barcode kann flexibel an viele Oberflächenformen angepasst werden. Dies macht ihn besonders für Kleinteile oder Teile mit komplizierten Oberflächen geeignet. Auch beim Dot-Code – so wie beim DataMatrix-Code – spielt die Druckqualität eine größere Rolle. Auf kleineren Flächen muss der Druck einen ausreichenden Kontrast aufweisen, um für die Lesegeräte gut scannbar zu sein. Das setzt natürlich auch höhere Anforderungen an die verwendeten Barcode-Drucker voraus.

Jab-Code đź”—︎

Jab-Code
Die Besonderheit des JAB-Codes besteht in seiner Fähigkeit, neben horizontal und vertikal angeordneten Zeichen, auch Farben für die Datenspeicherung zu nutzen. Mit den acht Farben, die dabei verfügbar sind, lässt sich die Speicherkapazität auf etwa das Dreifache der üblichen 2D-Barcodes erhöhen. Ein weiterer Vorteil: Der Barcode ist bei seiner Gestaltung nicht auf rechteckige Formen beschränkt. Er kann auch andere Formen annehmen, wie z. B. eine U-Form. Das sorgt für vielfältige und flexible Einsatzoptionen. Seine Vorteile könnten aber unter Umständen zu Nachteilen werden: In rauen Umgebungen kann die Farbe schneller beschädigt werden. Darüber hinaus kann sie aufgrund des UV-Lichts im Laufe der Zeit verblassen. Das stellt entsprechend hohe Anforderungen an Gegenmaßnahmen wie die Druckqualität oder den Licht- und Abriebschutz.

Ăśbersicht aller relevanten Bar-Codes đź”—︎

Strichcode DataMatrix-Code QR-Code Dot-Code JAB-Code
Art des Barcodes 1D 2D 2D 2D 2D farbig
Fehlertoleranz gering hoch Fehlerkorrektur bis ca. 30 %. hoch Fehlerkorrektur bis ca. 30 %. hoch Fehlerkorrektur bis ca. 25 %. hoch Fehlerkorrektur in 11 Stufen. Stufe wählbar in Abhängigkeit der gespeicherten Datenmenge.
Robustheit hohe Kontrastanforderungen (Mindestwert bis zu 80 %) eventuell schlechter lesbar wegen kleiner Größe (höhere Druckauflösung erforderlich) geringe Kontrastanforderungen (ab ca. 15 %) eventuell schlechter lesbar wegen kleiner Größe (höhere Druckauflösung erforderlich) Farbe kann mit der Zeit durch UV-Licht ausbleichen
Eignung für Kleinteile weniger gut geeignet. gut geeignet (sehr kompakt). Gleiche Datenmenge kann auf einer Fläche gespeichert werden, die 20 % kleiner als beim QR-Code ist. vergleichsweise große Fläche. Wenig Gestaltungs­spiel­räume, da nur rechteckige Formen möglich. Mini-QR-Codes lassen sich mit Lasertechnik eingravieren. wegen geringer Größe sehr gut geeignet. Flexibel an verschiedene Flächen anpassbar. flexible Anbringung, weil nicht auf rechteckige bzw. quadratische Formen beschränkt. Kann verschiedene Formen annehmen, wie z. B. eine U-Form.
Speicherkapazität sehr gering ca. 25 Zeichen durchschnittlich bis ca. 2300 alphanumerische Zeichen überdurchschnittlich bis ca. 4000 alphanumerische Zeichen durchschnittlich sehr hoch etwa dreifache Datendichte verglichen mit schwarz-weißen 2D-Codes
Lesefreundlichkeit kann nur von links nach rechts gelesen werden aus verschiedenen Richtungen lesbar aus verschiedenen Richtungen lesbar aus verschiedenen Richtungen lesbar aus verschiedenen Richtungen lesbar
Sonstiges im Produktionsbereich wegen langjähriger Bekanntheit und einfacher Handhabung stark verbreitet. von vielen Barcode-Readern unterstützt.Sehr kompakt. Hochauflösender Etiketten­drucker benötigt (für kleine Barcodes). eingravierte Barcodes brauchen hochwertige und genaue Lesegeräte. Von vielen Barcode-Scannern unterstützt. Hoher Wiedererkennungswert, weil aus dem Alltag geläufig. noch nicht von vielen Reader Apps unterstützt. Bsp. Snowflake, Dot A Hochauflösender Etikettendrucker benötigt (für kleine Barcodes). hohe Druckqualität erforderlich, um Farben kontrastreich darzustellen

Zusammen­fassung đź”—︎

Unterschiedliche Barcode-Typen weisen sowohl Stärken als auch Schwächen auf und ihr Einsatz sollte individuell auf die zu lösenden Aufgaben zugeschnitten sein. Der Einsatz von Barcodes in der heutigen Lagerwirtschaft und Logistik muss jedoch einige generelle Herausforderungen meistern. Neben einer ausreichenden Speicherkapazität zählen dazu insbesondere eine gute Lesbarkeit, die auch unter schwierigen Bedingungen gegeben sein sollte. Das schließt eine adäquate Druckqualität und eine hohe Fehlertoleranz mit ein. Darüber hinaus rückt aufgrund des Trends zur Miniaturisierung die Kompaktheit der verwendeten Barcodes immer mehr in den Vordergrund.


Auswahl­­kriterien, die es zu beachten gilt

Einerseits erwarten Kunden schnellere Lieferungen, andererseits bringt die Variantenvielfalt und Miniaturisierung für die Logistik und Lagerwirtschaft große Herausforderungen. Der mobilen Datenerfassung kommt in diesem Zu­sammenhang eine wichtige Rolle zu. Vor diesem Hintergrund diskutieren wir, worauf es bei der Auswahl eines Bar­code-Scanners ankommt.

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Neben professionellen MDE-Lösungen werden heute immer mehr Smart­phones als Barcode-Scanner einge­setzt. Bei weniger an­spruchsvollen Aufgaben können sie ihre Stärken ausspielen. Mit steigenden Anforderun­gen verblassen ihre Vorteile jedoch zunehmend – bis sie den Stab an pro­fessionelle MDE-Geräte übergeben müssen. Am Ende zählt eine sorgfältige Abwägung.

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