Die Stärken 👍 und die Schwächen 👎

Neben professionellen MDE-Lösungen werden heute immer mehr Smart­phones als Barcode-Scanner einge­setzt. Bei weniger an­spruchsvollen Aufgaben können sie ihre Stärken ausspielen. Mit steigenden Anforderun­gen verblassen ihre Vorteile jedoch zunehmend – bis sie den Stab an pro­fessionelle MDE-Geräte übergeben müssen. Am Ende zählt eine sorgfältige Abwägung.

von Marc Teuber

book1333 Wörter timelapse7 Min. Lesedauer


Smartphones als Barcode-Scanner đź”—︎

thumb_up Die Stärken

GĂĽnstig, vertraut und transportabel đź”—︎

Smartphones als Barcode-Scanner im gewerblichen Kontext: hier fallen, mit professionellen Lösungen verglichen, zunächst mehrere Vorteile auf. Smartphones sind preislich deutlich günstiger, solange es nicht High-End-Geräte sein müssen. Darüber hinaus sind die Grundfunktionen des Betriebssystems – in der Regel Android oder iOS – vielen Menschen vertraut. Mitarbeiter können sich so in das Betriebssystem und neue Apps – etwa zum Scannen von Waren im Lager – viel schneller einarbeiten. Smartphones unterstützen auch Technologien zur mobilen Datenübertragung, die heute auch im industriellen Bereich, z. B. im Lager und in der Fertigung, verbreitet sind. Dazu gehören beispielsweise WLAN oder LTE. Darüber hinaus lassen sich Smartphones aufgrund ihrer kompakten Form gut transportieren, z. B. in einer Hosentasche. So hat man die Geräte ständig dabei.

Testing und Arbeiten im Vorfeld đź”—︎

Schließlich eignen sich Smartphones wegen ihrer günstigen Anschaffungskosten und allgemeiner Verbreitung auch gut für diverse Testarbeiten. Möchte man z. B. zur Auswahl stehende MDE-Lösungen für Lager und Fertigung testen, braucht man nicht sofort in teure Profigeräte zu investieren. Smartphones sind hier oft eine günstige Alternative. Unter Umständen lässt sich auch noch später entscheiden, ob Profigeräte sinnvoller sind.

thumb_down Die Schwächen

Unsicherheit, kurze Produktzyklen, Inkompatibilität đź”—︎

Smartphones haben jedoch, abhängig vom Einsatzbereich, auch einige größere Nachteile. Viele Apps werden auf Plattformen wie Google Play Store oder Apples App Store angeboten. Das bedeutet eine Zwischeninstanz – mit eigenen Regeln und Risiken. Bei vielen Apps ist nicht geklärt, wie lange sie unterstützt werden und ob sie mit neueren Versionen des Betriebssystems funktionieren. Der Support kann von heute auf morgen eingestellt werden oder Apps können ohne Vorankündigung verschwinden. Smartphones haben auch deutlich kürzere Produktzyklen, weil sie aus dem Konsumentenbereich kommen. Die Modelle veralten deswegen schneller, der Support wird eingestellt. Außerdem können Apps zum Barcodescannen in Konflikte mit den vielen unterschiedlichen Anwendungen geraten, die auf dem Smartphone laufen.

Kameras mit Fokus auf Privatkunden đź”—︎

Geprüft sollten gerade auch die Kameras der jeweiligen Smartphone-Modelle – ohne die hohe Pixelanzahl überzubewerten. Gute Kameras passen sich schnell an Lichtverhältnisse an, erkennen feinere Kontraste und behalten Barcodes ausreichend scharf, sicher und dauerhaft im Fokus. Ein Punkt in diesem Zusammenhang zu beachten: Die Algorithmen mancher Kamera-Software optimieren die Bilder ästhetisch – zulasten der Originaltreue. Das kann das Einscannen von kleineren, beschädigten oder schlecht sichtbaren Barcodes unnötig erschweren (so finden Sie den passenden Barcodetyp).

Hardware: Leistung nicht dediziert, Akkus nicht austauschbar, Bedienung eingeschränkt đź”—︎

Auf Smartphones laufen viele Apps, die auf die gleiche Prozessor- und Speicherleistung zugreifen, manche davon im Hintergrund. Dadurch bleibt unter Umständen weniger Leistung für das Barcode-Scannen. Außerdem sind die Akkus der meisten Smartphones nicht (ohne Weiteres) austauschbar. Ein großer Nachteil bei Schichtbetrieb, wo Barcode-Scanner länger am Stück betriebsbereit sein müssen.

Darüber hinaus werden gerade im Lager und in der Fertigung bei der Arbeit oft Schutzhandschuhe getragen – Touch Screens lassen sich dadurch schwerer bedienen. Schwierig wird auch eine Smartphone-Bedienung mit verdreckten oder nassen Händen. Es gibt natürlich auch robustere Modelle, die hier besser abschneiden. In der Regel muss dafür aber auch deutlich tiefer in die Tasche gegriffen und eine eingeschränkte Auswahl in Kauf genommen werden.

Ergonomie und raue Arbeitsbedingungen đź”—︎

Wer täglich Hunderte von Barcodes mit einem Smartphone scannt, dürfte öfter feststellen: Es kostet Zeit und Mühe, korrekt zu zielen, die Hände ermüden, die Arbeit verlangsamt sich. Professionelle Geräte in Form eines Pistolengriffs oder ein Ringscanner sind hier zumeist produktiver.

Wasser, Staub, Stürze auf Betonböden und andere raue Arbeitsbedingungen: auch hier stoßen Smartphones schnell an Grenzen. Spezielle Schutzhüllen können zwar Abhilfe verschaffen – aber nur bedingt. An die hohen Schutzstandards dedizierter MDE-Geräte dürften sie jedoch nicht heranreichen.

Bring-Your-Own-Device đź”—︎

Der BYOD-Ansatz – hier nutzten Mitarbeiter eigene Geräte – wird auch beim Einsatz von Smartphones als Barcode-Scanner diskutiert. Offensichtlicher Vorteil: Das Unternehmen braucht keine Geräte anzuschaffen. Ein BYOD-Ansatz kann zwar in einigen Fällen funktionieren, in vielen anderen überwiegen vermutlich die Nachteile. Einerseits lassen sich Geräte verschiedener Hersteller sowie unterschiedliche Betriebssysteme und Software-Versionen kaum zufriedenstellend integrieren. Andererseits sind dadurch private und berufliche Aufgaben schwer trennbar. Konflikte mit Datenschutzgesetzen folgen dann. Ein weiterer Punkt: Es kann schwierig werden, eine exzessive Privatnutzung der Geräte während der Arbeitszeit zu unterbinden.

Professionelle MDE-Geräte đź”—︎

thumb_up Die Stärken

Handlichkeit đź”—︎

Spezielle MDE-Geräte erleichtern und beschleunigen durch ihre Form die Arbeit. Mit einem Pistolengriff können Barcodes schneller und ermüdungsfreier eingelesen werden. Bei einer Ausführung als Ringscanner – hier wird der Scanner am Handgelenk oder auf dem Handrücken befestigt – sind sogar beide Hände für andere Arbeiten frei.

Betrieb unter widrigen Bedingungen đź”—︎

Der Alltag im Lager und in der Produktion kann mitunter ziemlich rau sein. Geräte fallen dann mitten in Arbeitsprozessen aus mehreren Metern Höhe auf harte Fußböden. Staubige Umgebungen, etwa Sägemehl bei Möbelherstellung, können den Scannern ebenfalls hart zusetzen. Darüber hinaus finden Arbeiten auch oft draußen statt, bei Regen, Sonne und Wind. Professionelle Geräte sind hier mithilfe unterschiedlicher IP-Schutzarten vergleichsweise gut geschützt. Erfahren Sie mehr über [die Auswahlkriterien, die es zu beachten gilt][1].

Mehr Funktionalität und Sicherheit đź”—︎

Professionelle MDE-Geräte bringen spezifische Zusatzfunktionen und fortgeschrittene Features mit. Sie können kleine, mehrere Meter entfernte oder beschädigte Barcodes oft noch problemlos einlesen. Leistungsfähige, aufs Barcode-Scannen getrimmte Hard- und Software mit speziellen Algorithmen, machen das möglich. Ein weiteres Feature: Das erfolgreiche Einlesen wird durch Piep- oder Lichtsignale bestätigt.

Dedizierte Barcode-Scanner und deren Daten können mithilfe spezieller Mobile Device Management Software umfänglich verwaltet werden: Zugangsrechte zentral managen, Geräte einzelnen Mitarbeitern (neu) zuordnen und festlegen, wer z. B. WLAN nutzen und Daten mittels VPN verschlüsselt übertragen darf. Dazu: Geräte neuer Mitarbeiter integrieren und sie wieder abmelden, sobald Mitarbeiter das Unternehmen verlassen; umfängliche Logs anlegen und auswerten, um Fehler schneller zu entdecken; Updates gleichzeitig bei allen Geräten aufspielen und ebenso bestimmte Funktionen gleichzeitig freigeben und einschränken.

thumb_down Die Schwächen

Preis, Reparaturkosten und innovative Zusatzfeatures đź”—︎

Der hohe Preis, einschließlich Reparaturen, ist wohl das wichtigste Argument gegen professionelle MDE-Geräte. Ein anderer Nachteil: Viele professionelle Barcode-Scanner sind verglichen mit Smartphones sperrig und lassen sich schwerer transportieren. Darüber hinaus können möglicherweise neue, die Kernfunktionalität ergänzende Features nicht so schnell entwickelt und implementiert werden wie bei Smartphones.

Zusammen­fassung đź”—︎

Smartphones als Barcode-Scanner: Alternative bei geringeren Anforderungen đź”—︎

Wie die Diskussion gezeigt hat, gibt es einige Gründe neben Profigeräten auch Smartphones als Barcode- Scanner industriell einzusetzen. Smartphones können insbesondere Aufgaben mit geringeren und standardisierten Anforderungen gut bewältigen. Beispielsweise Anwendungsfälle, bei denen die Arbeit mit den Geräten auf eine Arbeitsschicht oder weniger beschränkt ist – wegen der fest verbauten Akkus. Außerdem können bei standardisierten, nicht zu kleinen und nicht zu weit entfernten Barcodes akzeptable Ergebnisse erzielt werden. Die Arbeitsumgebung sollte dabei ebenfalls nicht sonderlich rau sein. Weiterhin eignen sich Smartphone-Scanner oft gut für Entwicklungs- und Testarbeiten – z. B. in der Evaluierungsphase, wo verschiedene MDE-Systeme getestet werden.

Profiscanner: robuster, langatmiger, produktiver đź”—︎

Spezielle Barcode-Scanner sollte man hingegen dort bevorzugen, wo neben normalen Scanprozessen auch größere spezielle Bedarfe abgedeckt werden müssen. Professionelle MDE-Geräte sind zumeist viel robuster und der Schutz dank IP-Schutzarten direkt im Gerät verbaut. Sie eignen sich für nasse, staubige und harte Stürze begünstigende Umgebungen. Eine weitere Stärke von Profigeräten sind Barcodes, die schwer zugänglich, weiter entfernt oder beschädigt sind. Auch wenn dauerhaft viele Barcodes gescannt werden sollen, steigern die ergonomisch geformte Pistolengriffe oder am Handgelenk befestigten Ringscanner die Produktivität. Ebenfalls wichtig: Die Akkus bzw. Batterien professioneller MDE-Geräte lassen sich zumeist austauschen. Dadurch kann ein längerer ununterbrochener Betrieb, z. B. durch Mehrschichtarbeit bedingt, erfolgen. Auch bei Sicherheit haben moderne MDE-Lösungen die Nase oft vorn. Sie lassen sich umfänglich mit einer professionellen Mobile Device Management-Software verwalten: Profile, Einschränkungen, Freigaben.

Entscheidung: TCO und Unternehmensentwicklung miteinbeziehen đź”—︎

Darüber hinaus sollte man das Total Cost of Ownership (TCO) und die Unternehmensentwicklung im Vorfeld der Entscheidung im Auge behalten. Eine MDE-Lösung wird meistens jahrelang genutzt – Anfangsinvestitionen relativieren sich dadurch. Kommt es zum stärkeren Wachstum oder einer Neuausrichtung, etwa der Lager- und Fertigungsprozesse, können sich die ursprünglichen Entscheidungskriterien schnell ändern – eine andere Lösung wird dann attraktiver.

Egal, ob Smartphone oder professionelles MDE-Gerät: DATACAP kann beides đź”—︎

Für DATACAP spielt es keine Rolle, ob ein Smartphone oder ein professionelles MDE-Geräte zum Einsatz kommt. Denn letztendlich benötigt DATACAP lediglich einen einfachen Internetbrowser und der ist auf Android- und iOS-Smartphones und auf professionellen MDE-Geräten bereits vorinstalliert.


Der Kiosk-Modus bei MDE-Scannern

Moderne MDE-Scanner besitzen viel nützliche Funktionalität, doch ist es manchmal sinnvoll, diese einzuschränken. Das kann die Mitarbeiterproduktivität steigern, Fehleingaben verhindern und das Verlustrisiko minimieren. Die technische Funktion dafür ist – u. a. bei Android-Geräten – als „Kiosk-Modus“ bekannt. Seine Vorteile, Funktion und Aktivierung werden im folgenden Beitrag erläutert.

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3 Wege, den Barcode­scanner-Schutz zu erhöhen

Barcodescanner sind ein wichtiger Bestandteil der Datenerfassung. Nach einer ent­sprechenden Investition geht man davon aus, dass sie eine lange Zeit halten. Die Überraschung und der Ärger sind dann groß, wenn die Geräte vorzeitig den Geist aufgeben. Eine häufige Ursache dabei ist ein unsachgemäßer Einsatz und mangelnder Schutz der Barcodescanner. Deswegen ist es wichtig, sich von vornherein Gedanken über einen adäquaten Schutz zu machen.

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