Digitalisierung verÀndert Logistik­prozesse

Die Digitalisierung verĂ€ndert Logistik­prozesse. Einige dieser VerĂ€nderungen haben heute schon eine wachsende Bedeutung fĂŒr Mittelstand und kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wer sich mit der Entwicklung rechtzeitig auseinandersetzt, kann Wettbewerbs­vorteile realisieren.

von Marc Teuber

book1255 Wörter timelapse6 Min. Lesedauer


1. Digitale Logistik: Cloud Computing 🔗︎

Das Cloud Computing steht im Mittelpunkt vieler herausragender Innovationen, die durch die Digitalisierung und in der Logistik gerade Fuß fassen. Die Echtzeitdatenverarbeitung begĂŒnstigt schnellere und zuverlĂ€ssigere Entscheidungen. Relevante Informationen sind immer griffbereit, schnelle zielgerechte Reaktionen können dadurch erfolgen. ArbeitsgĂ€nge, die fĂŒr die Logistik besonders relevant sind, BestĂ€tigungen, Check-ins und Genehmigungen, profitieren davon. Die Risikokontrolle und die Reaktion auf Bedrohungen werden dadurch einfacher.

Viele Vorteile durch Echtzeitdaten 🔗︎

Die Echtzeitdaten aus der Cloud erlauben es, ein Produkt zu jeden Zeitpunkt zu lokalisieren. Mehr Daten können gesammelt werden ĂŒber FlaschenhĂ€lse, Verzögerungen und andere Probleme. Sensoren lokalisieren Produkte dabei automatisch und in Echtzeit auf dem Transportweg. Solche cloud-basierte AnsĂ€tze wie Integration-Platform-as-a-Service (iPaaS) erlauben es, verschiedene On-Premise-, Cloud- und SaaS-Dienste zu vereinen und gewĂ€hrleisten einen Datenaustausch in EchtzeitnĂ€he. GĂŒter, die an ihrem Zielort angekommen sind, können dann beispielsweise selbststĂ€ndig, mittels Sensoren, diesen Umstand an das ERP-System (wie z. B. Microsoft Dynamics 365 Business Central) melden. In der Folge wird die Erstellung entsprechender Rechnungen angestoßen. Auch lĂ€sst sich dabei der aktuelle Zustand der Waren ĂŒberprĂŒfen. Sensoren melden z. B., ob Feuchtigkeit oder zu starke ErschĂŒtterungen die Produkte möglicherweise beschĂ€digt haben. Bei Lieferverzögerungen oder auch vorfristig stattfindenden Auslieferungen können die EmpfĂ€nger zeitig benachrichtigt werden.

2. Digitale Logistik: Roboter im Lager 🔗︎

Roboter im Lager werden durch den immer stĂ€rkeren Trend zu E-Commerce begĂŒnstigt. Der Bedarf nach kleineren Produkten und Abgabemengen steigt, dazu mĂŒssen sie individuell verpackt werden. DarĂŒber hinaus werden die Waren immer schwerer. In den Anfangszeiten des Internets und der E-Commerce kaum vorstellbar: Heute werden sperrige Anschaffungen wie z. B. Möbel immer hĂ€ufiger Online bestellt. Außerdem steigen die Kundenerwartungen an die Geschwindigkeit der Auslieferungen. Dazu gesellt sich der Mangel an geeigneten Mitarbeitern.

Autonome Lagerroboter als entlastende Arbeitskollegen 🔗︎

Ein Robotereinsatz im Lagerbereich kann den oben beschriebenen Herausforderungen entgegenwirken. Die Roboter können sich selbststÀndig und intelligent in RÀumen bewegen und beispielsweise Waren kommissionieren. Die notwendigen Daten sind dabei in einer Datenbank gespeichert. Macht ein Kunde eine Bestellung, schickt die Software sie an ein Roboterfahrzeug, das gerade frei ist und sich am nÀchsten zum Lagerort der Ware befindet.

Ein Lagerarbeiter muss typischerweise lĂ€ngs und quer durchs Lagerhaus laufen, um die notwendigen Waren zu finden und sie zu kommissionieren. Autonome mobile Roboter können hingegen mit mehreren Mitarbeitern zusammenarbeiten und operieren weitgehend unabhĂ€ngig von Menschen. Das Roboterfahrzeug fĂ€hrt an das Regal mit der eingelagerten Ware; ein Lagermitarbeiter, der sich in der NĂ€he befindet, entnimmt und legt die erforderlichen Artikel in den Kommissionierkorb. Anschließend bewegt sich der Roboter zum nĂ€chsten Lagerort und wird auf gleiche Weise von einem anderen Mitarbeiter bedient – bis der Kommissionierauftrag abgearbeitet ist. Die ProduktivitĂ€t der Arbeiter steigt dadurch, ihre körperliche Belastung sinkt.

Autonome Lagerroboter: schnelle Installation und hohe Leistung 🔗︎

Eine entsprechende Roboter-Lösung kann innerhalb weniger Wochen installiert werden. Dazu werden Daten wie etwa Produktprofile und das Bestellvolumen benötigt, um die optimale Konfiguration herauszufinden. Auch können die Lagerroboter fĂŒr Lagerhallen optimiert werden, deren LagerflĂ€chen von mehreren unterschiedlichen Unternehmen gemietet werden. Das kann gerade auch fĂŒr Unternehmen interessant werden, fĂŒr die eine Anschaffung von Lagerrobotern noch unwirtschaftlich ist, aber eine Nutzung auf Mietbasis infrage kommen wĂŒrde.

Autonome Lagerroboter schonen Mitarbeitergesundheit und sind skalierbar 🔗︎

Weitere Vorteile der autonomen mobilen Roboter liegen darin, dass sie unterbrechungsfrei arbeiten können. DarĂŒber hinaus sind sie auch in Bereichen einsetzbar, die fĂŒr den Menschen gefĂ€hrlich sind, etwa den Kontakt mit Gefahrstoffen beinhalten. Auch sind Roboterlösungen besser skalierbar als menschliches Personal. In der Hochsaison kann der erhöhte Bedarf befriedigt werden, ohne das neue Mitarbeiter gesucht und eingestellt werden mĂŒssen. Auch weniger Fehler bei der Kommissionierung und Auslieferung sind aufgrund des Robotereinsatzes zu erwarten; dadurch kann die KundenloyalitĂ€t erhöht werden.

3. Digitale Logistik: KĂŒnstliche Intelligenz & Predictive Analytics 🔗︎

Traditionell werden Programme so geschrieben, dass sie von vorneherein festgelegte Regeln abarbeiten. Das funktioniert zwar gut in Umgebungen mit stabilen AblĂ€ufen, treten in der Umgebung jedoch geringfĂŒgige VerĂ€nderungen auf, sind die Regeln oft nicht mehr anwendbar. Es kommt dann schnell zu Fehlern und AusfĂ€llen. KĂŒnstliche Intelligenz und deren momentan wichtigster Unterbereich, das maschinelle Lernen, können hier Abhilfe verschaffen. Die Algorithmen entdecken dabei unterliegende Muster und Prinzipien und leiten daraus Handlungen ab oder generieren Einsichten, ohne auf feste Regeln angewiesen zu sein. Damit dieser Prozess bestmöglich funktioniert, braucht es neben guten Algorithmen, eine hohe Rechenleistung und einen genĂŒgend großen Datenpool mit ausreichender DatenqualitĂ€t. Solche Software kann beispielsweise auch dann noch selbststĂ€ndig den optimalen Weg durchs Lager berechnen, wenn dort einige Regale umgestellt und GĂ€nge neu geordnet wurden.

Predictive Analytics: Mehr Planungssicherheit und Kosteneinsparungen 🔗︎

Bei Predictive Analytics geht es darum, aufgrund von Datenmustern Prognosen zu erstellen. Bei adÀquater DatenqualitÀt können Algorithmen beispielsweise mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, was in den nÀchsten Wochen und Monaten verkauft wird. Dadurch lÀsst sich die Supply Chain viel besser planen. Artikel bei denen eine hohe Nachfrage zu erwarten ist, können dann bereits im Voraus unter Nutzung höherer Mengenrabatte bestellt werden.

Predictive Analytics & Logistik: Beispiele aus der Praxis 🔗︎

Fast jeder hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass Schuh- oder KleidergrĂ¶ĂŸen trotz gleicher formaler Angaben von Hersteller zu Hersteller abweichen können. Einige Schuh- und BekleidungsgeschĂ€fte gehen dazu ĂŒber, die Waren von Probanden testen zu lassen. Die Daten fließen anschließend in eine Datenbank. Stellt sich dann beispielsweise heraus, dass bei einem bestimmten Hersteller die SchuhgrĂ¶ĂŸe 41 eher der allgemeinen SchuhgrĂ¶ĂŸe 40 entspricht, kann eine entsprechend programmierte Software das automatisch erkennen und Kunden beim Online-Shoppen darauf hinweisen. Auch im industriellen Bereich lĂ€sst sich diese Vorgehensweise gewinnbringend einsetzen. Hier kann beispielsweise dadurch sichergestellt werden, dass Ersatzteile oder Vorprodukte unterschiedlicher Hersteller untereinander kompatibel sind. Die Logistik wird so entlastet: Die Anzahl falscher Lieferungen und daraus resultierender RĂŒcklieferungen sinkt.

4. Digitale Logistik: Blockchain 🔗︎

Mithilfe der Blockchain-Technologie können Transaktionen automatisch und fĂ€lschungssicher dokumentiert werden. Menschliche Mittler werden deswegen oft nicht mehr benötigt. In der Logistik könnten mehrere Bereiche davon profitieren: Vertragsunterzeichnung, ÜberprĂŒfung der Lieferzeiten oder Sicherstellung der ProduktherkĂŒnfte. Beispielweise werden gekĂŒhlte Lebensmittel heute aus einem Teil der Welt in einen anderen verschickt und mĂŒssen nicht selten Dutzende von Zwischenstationen auf dem Weg zum Zielort passieren. Wird hierbei Blockchain in Verbindung mit einem Cloud-Service eingesetzt, weiß man jederzeit, wo ein bestimmter Container ist und wie lange er voraussichtlich noch bis zur nĂ€chsten Zwischenstation oder zum Zielort benötigen wird. Auch solche wichtigen Fragen, ob die KĂŒhlkette durchgehend eingehalten wurde oder die Erzeugnisse durch ErschĂŒtterungen Schaden genommen haben, sind dadurch dokumentiert.

Weil Blockchain-Transaktionen wie fĂ€lschungssichere BuchfĂŒhrungssysteme funktionieren, kann die Logistik dadurch noch mehr profitieren. So sind auch erfolgreiche Kooperationen mit völlig unbekannten GeschĂ€ftspartnern, wie etwa 3PL-Dienstleistern weltweit möglich. Weniger BĂŒrokratie und mehr papierlose Prozesse sparen dazu Zeit und Kosten.

5. Digitale Logistik: Predictive Maintenance 🔗︎

Bei Predictive Maintenance handelt es sich um einen Ansatz, wo es aufgrund von Sensoren möglich wird, AusfĂ€lle von Anlagen, Maschinen und Komponenten vorherzusagen. Das hat zwei wesentliche Vorteile: Teile und Komponenten können dann bis kurz vor ihren individuellen Lebensende betrieben werden. Auch die ZuverlĂ€ssigkeit der Fahrzeuge, Anlagen und Maschinen steigt dadurch. Das fĂŒhrt zu einer Kostensenkung und gleichzeitig zu mehr Kundenzufriedenheit durch schnellere und zuverlĂ€ssigere Bestellabwicklungen. Beispielsweise können durch Sensoreinsatz solche Parameter wie die Temperatur oder Vibration eines Kugellagers gemessen werden. Wird eine Abweichung zur Norm festgestellt, folgt eine Warnmeldung. Algorithmen können dabei ebenfalls aufgrund von Herstellerdaten oder Daten, die wĂ€hrend des Betriebs gesammelt wurden, berechnen und vorhersagen, wie lange ein Teil noch funktionieren wird. Beispielsweise kann die Lager- oder Produktionsleitung dadurch frĂŒhzeitig darĂŒber informiert werden, wann der Hydraulikschlauch beim Gabelstapler oder bei einer Presse ausgetauscht werden muss und die DurchfĂŒhrung der Reparatur außerhalb offizieller Arbeitszeiten einplanen. Auch kann dann ein Termin mit dem Kundenservice rechtzeitig ausgemacht und Ersatzteile bestellt werden. Das ist ein weiterer Kostensparpunkt, denn Notdienste sind in der Regel deutlich teurer.


5 GrĂŒnde, eine neue Scanner-Lösung anzu­schaffen

Bei alten Barcode-Scannern, ob mobil oder stationĂ€r, ĂŒberwiegen frĂŒher oder spĂ€ter die Nachteile. Arbeitsprozesse im Lager oder in der Produktion werden dadurch er­schwert und verlangsamt, die Leistung sinkt. Ein rechtzeitiger Um­stieg auf moder­nere MDE-Lösungen kann das verhindern. Folgende Punkte bieten eine erste Orientierung hierzu.

Weiterlesen

So be­rei­ten Sie Ihre Lager­pro­zes­se fĂŒr eine MDE-Ein­fĂŒhr­ung vor

Leistungssteigerungen, die man sich von der EinfĂŒhrung neuer MDE-Lösungen verspricht, werden nicht immer sofort realisiert. Oft sind daran auch die unter­liegenden Prozesse im Lager schuld. DarĂŒber hinaus bleiben Effizienzgewinne, die in angrenzenden Abteilungen oder im Backoffice entstehen, hĂ€ufig unbeachtet. Im folgenden Beitrag zeigen wir, worauf zu achten ist.

Weiterlesen